Häufige Fragen & Antworten

Für behandelnde Ärzte

Was ist der ABCB1-Test?

Der ABCB1-Test ist ein molekulargenetisches Diagnostikverfahren, das den Arzt bei der Auswahl der für seine Patienten am besten wirksamen Antidepressiva unterstützt. Der Test hilft dem Arzt, die Passage von Antidepressiva aus der Blutbahn ins Gehirn zu beurteilen. So kann der Arzt die individuelle Disposition in seine Behandlungsentscheidungen einfließen lassen.

Wie unterscheidet sich der ABCB1-Test von anderen molekulargenetischen Tests im Bereich Depressionen?

Der ABCB1-Test ist der einzige Test, der Aufschluss über die Passage von Antidepressiva aus der Blutbahn ins Gehirn gibt.

Cytochrom-P450-Tests treffen generelle Vorhersagen zur Verstoffwechselung von Medikamenten in der Leber, sie lassen aber keine Aussagen über die Konzentration des Medikaments im Blut oder Gehirn zu. Der ABCB1-Test hat einen anderen Ansatz: Entscheidend für die Wirksamkeit eines Antidepressivums ist, in welcher Konzentration es an seinen Wirkort, das Gehirn, gelangt. Der ABCB1-Test unterstützt den Arzt dabei, das für seinen Patienten am besten geeignete Medikament in der richtigen Dosierung zu verschreiben.

Zu welchem Zeitpunkt der Therapie sollte der Test am besten durchgeführt werden?

Idealerweise sollte der Test zu Beginn der Behandlung mit einem Antidepressivum durchgeführt werden, damit durch das ABCB1-Testergebnis die am besten geeigneten Behandlung ausgewählt werden kann. So hat der Arzt einen zusätzlichen Anhaltspunkt, welches Medikament (Substrat oder Non-Substrat) in welcher Dosis für den Patienten geeignet ist. Zur Abschätzung der zu erwartenden Therapieantwort ist der Test auch nach der Einstellung auf ein Antidepressivum möglich.

Auch wenn einige Wochen nach der Gabe eines spezifischen Medikaments kein Wirkungseintritt festgestellt wird oder in Fällen, in denen ein Patient bereits über einen längeren Zeitraum ein Antidepressivum erhält und eine Medikationsumstellung geplant ist, bietet der ABCB1-Test eine wichtige Hilfestellung für die zukünftigen Behandlungsentscheidungen. 

Kann der Test helfen, wenn bei einem Patienten in bisherigen Therapieversuchen beide Arzneimittelgruppen (Substrate und Non-Substrate) nicht angeschlagen haben?

Wenn mehrere Antidepressiva (Substrate und Non-Substrate von P-Glykoprotein) nicht gewirkt haben, kann das daran liegen, dass der Patient die Substanz zu rasch abbaut und keine ausreichenden Medikamentenspiegel aufgebaut werden. Hier hilft das TDM in Verbindung mit dem ABCB1-Test. Wenn der Wirkmechanismus den im Einzelfall vorliegenden Krankheitsmechanismus nicht beeinflussen kann, dann kann dies auch durch den ABCB1-Test oder TDM nicht korrigiert werden.

Wie läuft der Test ab?

Der ABCB1-Test ist eine molekulargenetische Untersuchung, für die gemäß Gendiagnostikgesetz eine schriftliche Einwilligungserklärung des Patienten zur Durchführung genetischer Analysen erforderlich ist.

Für die ABCB1-Testung wird dem Patienten Blut (EDTA oder Trockenblut) abgenommen. Die Blutprobe wird an ein durchführendes Labor gesendet. Das Labor analysiert mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) die vorliegende Genvariante. Die klinische Verlaufskontrolle erfolgt im üblichen Rahmen.

Wie oft muss der Test durchgeführt werden?

Der ABCB1-Test ist nur einmal im Leben erforderlich, das Testergebnis ist lebenslang gültig. 

Welche Labore bieten das Testverfahren an?

Eine Auflistung aller Labore, die den ABCB1-Test bereits anbieten, finden Sie hier.

Was kostet der Test? Wie wird die Testdurchführung abgerechnet?

Der Test kostet rund 160 Euro und wird noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Kosten werden dem Patienten zur Verrechnung mit einer privaten Krankenkasse oder als Selbstzahlerleistung in Rechnung gestellt. Die Abrechnung erfolgt gemäß der gültigen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Verantwortlich für die Abrechnung sind die durchführenden Labore.

Inwieweit hilft der Test zu entscheiden, bei welchen Patienten die Messung der Plasmakonzentration des Antidepressivums wichtig ist (TDM)?

Der ABCB1-Test gibt Aufschluss darüber, wie gut Antidepressiva die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Besonders bei Vorliegen der Genvariante, die zu einer höheren Passierbarkeit der Blut-Hirn-Schranke führt, besteht die Gefahr einer Überdosierung mit schlechterem Therapieansprechen und Nebenwirkungen. Um dies zu vermeiden, kann TDM helfen: Solange der Plasmaspiegel im empfohlenen Bereich liegt und diesen nicht übersteigt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich die Symptome bessern. 

Kann der Test auch bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt werden?

Die Daten zum ABCB1-Test basieren auf Studien, in denen Personen ab 18 Jahren untersucht wurden. Ob der ABCB1-Test auch bei der Behandlung von Kindern oder Jugendlichen angewandt werden soll, muss der behandelnde Arzt im Einzelfall entscheiden.

Müssen Patienten bei der Blutabnahme nüchtern sein bzw. hat die Einnahme von Medikamenten Auswirkungen auf das Testergebnis?

Weder Essen und Trinken noch die Einnahme von Medikamenten haben Einfluss auf das Testergebnis.